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Wochenendreise vom 30.Juni bis 1.Juli 2007

Görlitz

Insgesamt hatten sich 18 Teilnehmer für diese Wochenendreise unter der Leitung von Dagmar angemeldet. Leider sagte eine Teilnehmerin am Samstag kurzfristig ab.

Die Anreise begann für einen kleinen Teil der Gruppe bereits am 29. Juni 2007. Brigitte und Dagmar fuhren am Freitag nach Görlitz um dort Gerd, der aus München anreiste, zu treffen. Für den größeren Teil der Gruppe begann die Fahrt am Samstag um 7:00 Uhr mit dem Einstieg am Bahnhof Zoo. Nach dem Halt am Hauptbahnhof, Friedrichstraße, Alexanderplatz und Ostbahnhof war dann die Gruppe komplett. Der Zug war planmäßig um 8:46 in Cottbus und es ging um 8:51 weiter mit der Lausitz-Bahn in Richtung Görlitz. Um 10:07 ging es weiter mit der Straßenbahn (4 Stationen) bis „Jägerkaserne“. Hier wurden wir schon von Dagmar erwartet, die uns zu unserem Hotel „Goldener Engel“ in der Hugo-Keller-Str. 1 brachte. Die Zimmerverteilung verlief ohne Probleme und bis 12:00 Uhr hatte jeder noch etwas Zeit die nahe gelegene Altstadt auf eigene Faust zu erkunden.

Pünktlich zur Mittagszeit waren wir dann an dem vereinbarten Treffpunkt am Georgsbrunnen auf dem „Obermarkt“.

Blick auf den Obermarkt von Görlitz

Blick auf Görlitz, Obermarkt

Wir gingen in westliche Richtung zum Reichenbacher Turm. Dieser Turm wurde bereits 1376 erstmalig erwähnt. Weitere Punkte waren der Dicke Turm, die Dreifaltigkeitskirche, das Rathaus und das Schlesische Museum am „Untermarkt“. Auf diesem zentralen Platz war eine Tribüne für eine abendliche Theatervorstellung mit dem Titel „Jacob Böhme und die Pest zu Görlitz“ aufgebaut. Es handelt sich um ein mittelalterliches Historienspiel, bei dem 50 Schauspieler und ca. 200 Leihendarsteller mitwirken. Hier auf dem „Untermarkt“ befinden sich viele bemerkenswerte alte Häuser, die bereits aus dem 14. Jahrhundert stammen. Besonders bemerkenswert fanden wir alle das Haus mit der Nummer 22. Eine besondere Attraktion ist das spätgotische Kielbogenportal, der so genannte den „Flüsterbogen“ mit Kreuzblume und zwei Maskenkonsolen aus dem Jahr 1500. Die Wölbung des Torbogens führt den Schall wie ein geschlossenes Rohr von der einen Seite des Portals zur anderen. Wir haben es ausprobiert und es hat geklappt! Unser letztes Ziel war die spätgotische Kirche St. Peter und Paul, genannt Peterskirche. Die fünfschiffige Hallenkirche ist ein Bauwerk des 15. Jahrhunderts. Bemerkenswert im Inneren sind vor allem die Kanzel, das Ratsgestühl, der Altar aus Sandstein und Stuckmarmor und die berühmte Sonnenorgel von Casparini. Unsere Stadtführerin machte uns noch auf die Möglichkeit aufmerksam, dass wir eine ausführliche Beschreibung und Demonstration am Sonntag um 12 Uhr besuchen können.

Nach dieser informativen Stadtführung gingen wir zum Mittagessen in das Restaurant „Schwarze Kunst“. In den historischen Gemäuern zwischen Buchdruckerpresse und Kamin hatte Dagmar einen Tisch für uns bestellt. Deftige Gerichte aus der Schlesischen Küche standen zur Auswahl. Gut gestärkt unternahmen wir gemeinsam einen Spaziergang zum 15. Meridian. Ein kleiner Gedenkstein zeigt den Verlauf des 15. Längenrades, an dem sich die MEZ orientiert.

Markierung des 15. Längengrads

Die Gruppe auf dem 15.Längengrad

Auf unserem Weg zurück die die Altstadt, kamen wir vorbei an der Jüdischen Synagoge und schauten uns auch noch kurz den imposanten Innenhof des Karstadt Kaufhauses an. Weiter gingen wir zum Reichenbacher Turm. Ein Teil der Gruppe nutzte noch die Möglichkeit und stieg auf den Turm um die herrliche Aussicht auf die gesamte Altstadt zu genießen.

Unser nächster Programmpunkt war unser Abendessen in Zgorzelec der polnischen Schwesterstadt. Die beiden Städte sind durch eine kleine Fußgängerbrücke miteinander verbunden die 2004 eröffnet wurde. An der Grenze mussten wir nur unseren Personalausweis vorzeigen. Das urige Restaurant direkt an der Neiße bot uns einen wunderschönen Ausblick auf die Altstadt von Görlitz mit der gigantischen Peterskirche. Leider wurden wir am Ende des Abends noch von einem Regenschauer überrascht. Doch das tat unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Auf unserem Heimweg ins Hotel, legten wir noch einen kleinen Stopp auf dem Untermarkt ein. Hier war das Historienspiel noch voll im Gange. Auch wir fühlten uns wie ins Mittelalter zurückversetzt, denn wir waren umringt von vielen Darstellern in ihren historischen Kostümen.

Brücke über die Neiße zwischen Görlitz und Zgorzelec

Grenzfluss Neiße, Peterskirche in Görlitz (links) und Dreiradenmühle in Zgorzelec (rechts)

Der Sonntag begann mit einem gemeinsamen Frühstück im Hotel. Gleich anschließend gingen wir zum „Schlesischen Museum zu Görlitz“. In einem der schönsten Häuser der Altstadt präsentiert diese moderne Ausstellung die Geschichte und Kultur des Landes an der Oder. Mit seiner prachtvollen Fassade, der reichen Bauplastik und den üppige bemalten Holzdecken gibt das Gebäude einen Eindruck von der Lebensart und Reichtum des alten Görlitz. Eine Sonderausstellung über den Nationalsozialismus und Widerstand in Breslau 1933 – 1945 fand unser aller Interesse.

Schon wartet das nächste Highlight auf uns: Ein Orgelkonzert in der Peterskirche. Zu Beginn wurde uns die Einmaligkeit der berühmten „Sonnenorgel“ von Eugenio Casparini erklärt. Der Name nimmt Bezug auf die sonnenstrahlförmig angeordneten kleinen Pfeifen. An Hand von verschiedenen Musikstücken wurde uns die Vielseitigkeit der Orgel demonstriert. Wir waren alle sehr beeindruckt und unterstützen durch unsere Spenden die restliche Finanzierung. Bevor Gerd die Gruppe verließ, er musste schon um 14:30 seine Rückreise nach München antreten, setzten wir uns noch in ein gemütliches Lokal am Untermarkt Ecke Peterstraße. Die Fassade dieses Hauses kunstvoll bemalt. Eine Sonnenuhr, gefertigt von Zacharias Scultetus 1550, verziert die Front zum Untermarkt.

Jetzt teilen wir uns in 2 Gruppen auf. Einige gingen nochmals über die Fußgängerbrücke nach Zgorzelec um dort das Geburtshaus von Jakob Böhme und das alte Kulturhaus zu besichtigen. Der andere Teil ging noch zum Heiligen Grab. Die Gesamtanlage „Heiliges Grab“ mit Grabkapelle, Kreuzkapelle und Salbhaus, vollendet 1504, ist Bestandsteil einer der ersten symbolischen Landschaftsgärten in Deutschland. Die Grabkapelle ist eine originalgetreue Kopie der Begräbnisstätte Christi in Jerusalem. Anschließend gingen wir noch zur Nikolaikirche die vom Nikolaifriedhof umgeben ist. Hier befinden sich mehr als 600 ausdrucksvolle Epitaphien und 18 Grufthäuser. Das bekannteste ist sicher das Grab von Jakob Böhme.

Um 15:00 Uhr trafen wir uns dann alle wieder am Hotel und holten das Gepäck ab. Mit der Straßenbahn fuhren wir zum Bahnhof. Pünktlich um 16:51 fuhren wir zurück nach Berlin. Einstimmig waren wir uns einig: Dieser Ausflug hatte sich wieder mal gelohnt!