Am 24.9.2005 fuhren Claudia und ich gemütlich mit dem ICE ohne Umzusteigen zu unserem seit lang geplanten Homestay nach Berlin, wo wir im Bahnhof Zoo von unseren Gastgebern Peter und Hannelore abgeholt wurden. Gleich gings los zur ersten Stadtrundfahrt mit Hannelore, die uns vom Funkturm aus einen wunderbaren Überblick über die Grossstadt zeigte. Ich selber war früher (in den 80er und anfangs 90er Jahre) schon mehrere Male in Berlin, konnte aber die Stadt kaum wieder erkennen. Riesige Neubauten sowie die nun komplett entfernte Mauer geben der Stadt ein vollständig anderes Gesicht, als ich es in Erinnerung hatte. Der ehemalige Osten mit dem Alexanderplatz als Zentrum und der Spree als neuentdeckte Lebensader macht Berlin nun plötzlich zu einer wunderschönen historischen Stadt mit einem gelungenen Kontrast zwischen Alt und Neu. Die Spree ist auch keine dreckige Kloake mehr, sondern ein sauberer Fluss, auf dem sich an einem schönen Wochenende? wie wir es erleben durften? Tausende von Touristen auf unzähligen Ausflugsbooten einfinden, von denen die Neubauten (z.B. das riesige Bundeskanzleramt oder die Kuppel auf dem Reichstag) ungestört aus nächster Nähe betrachtet werden können.
Noch eindrücklicher für mich war natürlich der Sonntagmorgen mit dem Start zum Berlin-Marathon im Tiergarten zwischen Brandenburgertor und Siegessäule, wo sich 40'000 Läuferinnen und Läufer zum grössten Marathon der Welt einfanden. Dieser Titel ist umso berechtigter, als dass die Berliner und Berlinerinnen absolut marathonverrückt sind und sage und schreibe eine Million Menschen die Rennstrecke säumten und uns Läufer aus vollem Herzen anfeuerten. Der Zieleinlauf unter dem Brandenburgertor war für mich als bescheidener 1500. immer noch wie der Einlauf eines Olympiasiegers im Stadion, so kräftig schrien Zuschauer und Speaker vor lauter Begeisterung.
Nach diesem Kraftakt waren an den nächsten Tagen eher kulturelle und ruhige Aktivitäten angesagt, wie der Besuch in der Staatsoper bzw. deren Dépendance in einer Fabrikhalle, wo die Zuschauer mit avantgardistischen Eskapaden und Effekten so gefordert wurden wie tags zuvor die Marathonläufer. Am nächsten Tag gönnten Claudia und ich uns dagegen einen Besuch im Cabaret in den Hackeschen Höfen, einen entspannenden Ort, wo wir zwar als zu spät Gekommene unter dem Gelächter der übrigen Zuschauer durch den Kühlschrank auf die Bühne treten mussten, anschliessend aber am Bistrotischen mit Weissbier einen unterhaltsamen Abend geniessen konnten.
Peter und Hannelore zeigten uns zudem all die übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt, die sich kaum abschliessend aufzählen lassen und eigentlich jede für sich einen ganztägigen Besuch wert wären: der neue Potsdamer Platz mit seinen architektonisch eindrücklichen Glaspalästen (wo vor 15 Jahren noch die Mauer quer über eine Einöde verlief), die Museumsinsel, das Nikolaiquartier (beides im ehemaligen Ostberlin), die noch wenigen sichtbaren Überreste der Mauer, Checkpoint Charlie, das neue Holocaust-Mahnmal, das vom berühmten Architekten Libeskind gestaltete Jüdische Museum, Schloss Charlottenburg, das gerade vollständig renovierte Olympiastadion usw.
Der wirkliche Höhepunkt des Besuches war aber die unbeschreibliche Gastfreundschaft von Peter und Hannelore sowie der Kontakt zum dortigen Chapter von PTP, das sich eines außerordentlich aktiven Lebens erfreut. So treffen sich viele Mitglieder und Zugewandte wöchentlich zu einem Englisch-Stammtisch in einem mexikanischen Restaurant, und schon tags darauf konnten wir, bevor wir am nächsten Tage wieder nach Hause reisten, bei einem vom europäischen Koordinator von PTP organisierten Anlass nicht nur viele spannende Menschen kennen lernen, sondern auch viele bisher unbekannte Hintergrundsinformationen über die unzähligen Projekte und Aktivitäten von PTP in der ganzen Welt erfahren.
Eine Reise nach Berlin wäre deshalb sicher eine wunderbare Erfahrung für all die PTP-Mitglieder, die noch nie oder seit längerem nicht mehr dort waren bzw. für Schulklassen aus der Region Interlaken, die einen klassischen Homestay beim Berliner Chapter geniessen möchten.
Also: der direkte ICE nach Berlin fährt in Interlaken Ost ab jeden Tag um 5:57 Uhr…
Thomas & Claudia
Goldswil, Schweiz