Sprache: deutsch englisch

Homestay Taiwan 2000

Abenteuer Taiwan oder „wenn Einer eine Reise tut, …“

Auf Grund meiner Arbeitssituation konnte ich in diesem Jahr nur maximal 2 Wochen Urlaub nehmen. Das bedeutete für mich, dass ich auf die lange vorbereitete Reise mit der Gruppe nach Neu Seeland und Australien verzichten musste. Ich entschloss mich daher, nach der Woche Aufenthalt zur Konferenz, eine Woche in Taiwan anzuhängen.

Mein Abenteuer begann nach Beendigung der Konferenz in Hongkong. Ich brachte die Gruppe am Sonntag zum Flughafen, um sie Richtung Südhalbkugel zu verabschieden. Dabei fand ich heraus, dass der Bus für eine Tour zum neuen Flughafen ca. 50 Minuten braucht. Ich flog am Montag. Also am nächsten Morgen zeitig zum Bus. Der hatte aber auf der Nathan Road in Kowloon einen Unfall und blockierte den gesamten Verkehr. Es gab keine Chance ein Taxi zu nehmen. Und bei diesem Monsunregen wollte ich auch nicht mit Gepäck die 15 Minuten zum Airport-Express laufen. Der Bus kam nach ca. 20 Minuten wieder flott. Aber durch den Riesenstau brauchte der Bus dann noch einmal weit über eine Stunde zum Flughafen. Hingerannt zum Schalter. Nein, es geht nicht mehr, die Maschine ist in 15 Minuten startbereit. Und bei den langen Wegen im neuen Airport schafft man die Maschine nicht mehr. Also enttäuscht das Gepäck abgestellt. Den dumpfen Knall habe ich nicht gehört. Aber eine Reinigungskraft kam und wischte um meine Tasche herum. Ich hob sie aus dem Weg und sah, dass es aus meinem Gepäck tropfte. Eine Pepsi Cola Dose war explodiert und meine Kleidung schwamm in der braunen Brühe. (Pepsi Cola schäumt besonders viel!)

Schreck lass nach! Ich wurde auf eine Maschine 5 Stunden später umgebucht und gleich eingecheckt. Ich konnte also noch nach Kiaushong fliegen! Die verspätete Ankunft musste ich doch nun meinen Gastgebern mitteilen. Wir hatten uns am Bahnhof von Tainan City verabredet, denn ich wollte unbedingt allein mit der Bahn vom Kiaushong nach Tainan City fahren. Also die billigste Telefonkarte im Wert von ca. 50 DM gekauft und in Tainan angerufen. Aber es kamen nur chinesische Laute. Ich sprach eine junge Dame an und fragte, ob sie Englisch und taiwanesisches Chinesisch spricht. Ich hatte Glück, erzählte ihr meine Geschichte und bat sie für mich in Tainan anzurufen. Ich verstand nur Bahnhof, aber die „chinesische“ Verständigung schien zu klappen. Sie beteuerte mir, dass man mich zu dieser nun so späten Ankunftszeit direkt am Flughafen abholen würde.

Ankunft gegen 22:30 Uhr Kiaushong Airport. Als ich mein Gepäck wiederbekam, fiel mir die Sache mit der Cola wieder ein. Beim Gang durch den Zoll musste ich zu allem Überfluss auch noch dem Beamten erzählen, warum ich so braune Sachen habe. Er glaubte mir!!

Nun stand ich mutterseelenallein im Flughafengebäude. Kein bekanntes Gesicht, kein Schild mit meinem Namen, kein einziges lesbares Schriftzeichen. Nur Zahlen konnte ich entziffern. Ich ging zu einem Schalter (ich dachte eine Bank) um Geld zu tauschen, es war ein Reisebüro. Ich versuchte zu telefonieren, aber keiner verstand, dass ich Münzen brauchte. Gab es keinen Schalter der Fluggesellschaft? Ja, aber um diese Zeit geschlossen! Wo war der Flughafenbahnhof? Es gab keinen! Wie konnte ich dem Taxifahrer sagen, dass ich zum Bahnhof wollte? In meiner europäischen Überheblichkeit und meiner Unwissenheit über Taiwan, war ich doch davon ausgegangen, dass ich mit Englisch schon durchkomme. Eigentlich ja, aber nicht nachts um 23:00h und weit weg von der Hauptstadt. Gerade als ich eine Stewardess auf dem Heimweg ausmachte (ich hoffte, sie verstand Englisch), kam eine junge Dame mit einem Schild, auf dem ich Teile meines Namens ausmachen konnte: „Ans Lobel“. Sie entschuldigte sich, sie hätte mich vergessen. Erst als meine Gastgeber noch einmal am Flughafen angerufen hatte, erinnerte sie sich an ihren Auftrag, mich abzuholen, mich in ein Taxi zu setzen und dem Taxifahrer zu sagen, dass er mich zum Hotel Ambassador bringen sollte.

Meine Gastgeber hatten aus der Not eine Tugend gemacht und hatten ein Treffen mit Freunden kurzfristig verabredet und nutzen so die Wartezeit auf mich.

Ich hatte eine wunderbare Zeit bei ihnen. Das Wetter war subtropisch, die chinesischen Gastgeber außergewöhnlich nett und ich lernte durch sie die taiwanesische Küche kennen und schätzen. Ich habe einen kleinen, aber sehr beeindruckenden Einblick in das chinesische Leben, die Kultur und Religion bekommen. Und auf einmal war die Kleidung nicht mehr colabraun?!

Das hat Lust auf mehr gemacht. Wer hat Lust mit mir noch einmal nach Taiwan zu reisen? Auf jeden Fall habe ich meine chinesischen Freunde zu uns nach Berlin eingeladen. Ich hoffe, sie werden bald den Weg nach Europa und Berlin finden!

Hans-Dieter